Published On: Mi, Mai 28th, 2014

13-jährige Êzîdin in Südkurdistan entführt

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„Erklärungsschreiben“ , beglaubigt mit der Unterschrift des Bezirksrichters

Bashiqa (Südkurdistan) – Ein 13-jähriges êzîdîsches Mädchen namens Hema Îsmaîl Alî aus der Kleinstadt Bashiqa wurde vor einer Woche entführt. Das Mädchen wurde nach Schulschluss von einem in Bashiqa stationierten Peshmerga entführt, wie Augenzeugen berichteten. Bei dem Entführer handelt es sich um einen Goran-Kurden.

Die Eltern informierten die örtlichen Sicherheitsbehörden und erstatteten eine strafrechtliche Anzeige. Ein Bezirksrichter nahm sich der Sache an und lud den Entführer vor. Dieser erklärt dem Richter Tariq Hazim Mahamad gegenüber, dass Hema freiwillig mit ihm mitgegangen sei und er sie nicht entführt hätte. Wenige Tage später taucht im Internet ein Erklärungsschreiben auf, das von der 13-jährigen Hema selbst stammen soll. Veröffentlicht wurde der Brief von Verwandten des Entführers.

Sie sei freiwillig mit ihrem Entführer mitgegangen, zum Islam konvertiert und möchte nicht mehr zu ihrer Familie und dem Êzîdentum zurück, heißt es in dem Schriftstück. Inzwischen nennt sie sich „Haciye“, wie nebst ihrer vermeintlichen Unterschrift steht. Besonders schockierend: der Brief wurde vom Bezirksrichter Tariq Hazim Mahamad handschriftlich beglaubigt. Dass es sich dabei, unabhängig von der Authentizität des Schriftstückes, um eine Minderjährige handelt, scheint ihn wenig zu kümmern. In den Kommentaren unter dem veröffentlichten Brief wird der Entführer als Held gelobt, der die „Arbeit Gottes“ verrichtet haben soll. Die Familie bedankt sich höflich: „Wir tun alles im Namen Allahs“. Schon bei Entführungen von Êzîdînnen in der Vergangenheit wurde der Entführer innerhalb seiner Gemeinschaft als Held gefeiert.

Simon Dawid, am 09. Januar 2013 entführt

Simon Dawid, am 09. Januar 2013 entführt

Am 9. Januar vergangenen Jahres sorgte die Entführung der 11-jährige Êzîdîn Simon Dawid durch einen 20-jährigen, ebenfalls muslimischen Gora-Kurden, in Tilkêf (Südkurdistan) bereits für Entsetzen. Trotz internationaler Proteste und dem Versprechen der kurdischen Regierung, den Sachverhalt zu aufzuklären, ist Simon bis heute in den Händen ihrer Entführer. Die Behörden urteilen oft zugunsten der muslimischen Stämmen, da sie die Mehrheit bilden, wie es in einem Gutachten vom schweizerischen Bundesamt für Migration BFM bezüglich der Situation der Êzîden im Irak und Südkurdistan heißt. Amnesty International schreibt ebenfalls in einem Gutachten bezüglicher der Entführung êzîdîscher Mädchen und Frauen: „Jesidinnen gelten als „Freiwild“ oder sollen aus dem „Unglauben“ befreit werden“.

Diese Vorfälle wecken schlimme Erinnerungen bei Êzîden hervor: Jahrhundertelang wurden êzîdîsche Frauen entführt und zwangsverheiratet, um den Willen der Êzîden zu brechen. Und auch heute noch können sich êzîdîsche Mädchen und Frauen im Irak und Kurdistan nicht frei bewegen ohne befürchten zu müssen, Opfer einer Entführung zu werden. Da sie kein Kopftuch tragen, werden sie als Nicht-Muslima schnell erkannt.

êzîdîPress, 28.05.2014

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