Published On: Di, Sep 27th, 2016

Mîr Tahsîn Beg fordert internationale Schutztruppen für Shingal-Region

Mîr Tahsîn Saîd Alî Beg, weltliches Oberhaupt der Êzîden, im Interview mit der BBC (BBC/YT)

Mîr Tahsîn Saîd Alî Beg, weltliches Oberhaupt der Êzîden, im Interview mit der BBC (BBC/YT)


Das weltliche Oberhaupt der Êzîden hat erneut seine Forderung nach einer internationalen Schutztruppe für die nordirakische Shingal-Region bekräftigt. In einem Interview mit der BBC erklärte Mîr Tahsîn Saîd Alî Beg, dass für eine vollständige Rückkehr der Êzîden nach Shingal zunächst einige Voraussetzungen geschaffen werden müssten. Dazu gehöre, die Region zu einer eigenen Provinz umzustruktieren, sofern die Entscheidung getroffen würde, Shingal an die Autonome Region Kurdistan anzugliedern. In diesem Fall müsse die Provinz dann politisch von der Bevölkerung Shingals selbst verwaltet werden.

An ein Zusammenleben mit den früheren arabischen und kurdischen Nachbarn in Shingal glaubt jedoch auch Mîr Tahsîn nicht. Zu viele der in Shingal ansässigen Sunniten hätten sich am Völkermord an den Êzîden durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) beteiligt, als diese schlagartig die Region am 03.08.2014 überfiel und systematisch Jagd auf Êzîden machte. Die Êzîden selbst haben wiederholt großes Unbehagen darüber geäußert, mit ihren früheren muslimischen Nachbarn in Shingal wieder zusammenleben zu müssen.

Zur Rolle der Peshmerga äußerte Mîr Tahsîn, dass diese die Êzîden vor zwei Jahren im Stich gelassen hätten. Ob die Peshmerga-Truppen auf einen Befehl hin oder aus Angst vor dem IS davongerannt seien, wisse er bis heute nicht. Nach wie vor fehle es allerdings auch an einer ernsthaften Unterstützung durch die irakische Zentralregierung, was wohl mit dem Kampf gegen den IS und fehlenden Ressourcen zusammenhinge. 

Man habe die Kurden im Irak nach Waffen zur Selbstverteidigung gefragt, doch immer habe die Regierung abgelehnt. Als man sich dann an die Amerikaner wandte, verwiesen diese wiederum auf die Kurden im Nordirak. Darüber hinaus fürchte man vor allem einen sektiererischen Bürgerkrieg nach dem Fall des IS, in dem die Êzîden große Gefahr liefen, zwischen die Fronten zu geraten. Insbesondere vor dem Hintergrund der geplanten Mossul-Offensive, die wohl noch dieses Jahr beginnen soll. Den Êzîden müsse daher Schutz durch den Westen versichert werden. Eine Rückkehr sei ohne eine solche Garantie eher ausgeschlossen. 

Ein ganz anderes Echo hingegen fand das Interview des êzîdîschen Oberhauptes bei einigen der großen kurdischen Medien im Nordirak, wo Plattitüden die Berichterstattung dominierten. Warum im Interview von “irakischen Êzîden” und nicht von “kurdischen Êzîden” die Rede war, lautete beispielsweise das Thema des regierungsnahen Fernsehsenders Kurdistan24. Wüste Beschimpfungen gegen das êzîdische Oberhaupt ließen in den sozialen Medien nicht lange auf sich warten.

© ÊzîdîPress, 27. September 2016

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