Published On: Di, Feb 7th, 2017

Nach IS-Terror: Wiederaufbau zerstörter Tempel in Babire

Wiederaufbau des êzîdîschen Tempels "Shekhe Bate" in Babire

Wiederaufbau des êzîdîschen Tempels „Shekhse Bate“ in Babire


Babire. In vielen Dörfern und Gemeinden der Êzîden im Nordirak und in Regionen der Autonomen Region Kurdistan, hat der Wiederaufbau zerstörter  Tempel und Pilgerstätten begonnen. Nachdem die Terrormilz „Islamischer Staat“ Gebiete im Nordirak eroberte, zerstörten die IS-Terroristen dutzende Tempel und Pilgerstätten der Êzîden. So auch im êzîdîschen Dorf Babire, das nur wenige Kilometer nördlich der IS-Hochburg Mossul liegt.

Als die IS-Terroristen im August 2014 die Gemeinde Babire einnehmen, beginnen sie sofort mit der Zerstörung der êzîdîschen Tempel und Pilgerstätten. Anders als in Shingal, konnten die Menschen in Babire rechtzeitig vor den Schergen des IS fliehen. Es ist wesentlicher Bestandteil der Genozid-Kampagne des IS, die seit Jahrtausenden in der Region lebenden Êzîden zu entwurzeln, indem man ihre Tempel zerstört und damit versucht ihre Identität auszulöschen. Die Bilder und Videos veröffentlicht der IS anschließend auf sozialen Netzwerken und in Propagandavideos. Die Zerstörung êzîdîscher Heiligtümer aber ist nicht erst seit dem IS Bestandteil der Vernichtungsfeldzüge gegen die Êzîden – seit jeher zerstörten radikale Muslime die heiligen Stätten der êzîdîschen Minderheit. Und immer wieder – manche davon dutzende Male – errichteten die Êzîden wieder auf.

Bauarbeiten am êzîdîschen Tempel "Shekhe Bate" in Babire

Bauarbeiten am êzîdîschen Tempel „Shekhse Bate“ in Babire

Die Tempel sind wichtiger Bestandteil der êzîdîschen Religion und oft einer heiligen Persönlichkeit gewidmet. Jährlich versammeln sich die Êzîden, um die Kuppeln der Tempel in einer zeremoniellen Prozedur mit bunten Tüchern, die zuvor im Zentralheiligtum gesegnet wurden, rituell zu reinigen. Zu Festen versammelte sich die Gemeinde an den Qubs – so der êzîdîsche Name für die Heiligenstätten – um gemeinsam zu feiern.

Insgesamt zerstörten die IS-Terroristen schätzungsweise etwa 45 êzîdîsche Tempel und Schreine, viele von ihnen waren über 700 Jahre alt. Die Meisten davon in der Shingal-Region. In Babire wurden sieben êzîdîsche Tempel zerstört. Die Gemeinde beherbergte zuvor rund 12.000 Einwohner; zurückgekehrt ist bisher jedoch kaum jemand. Im Zuge der Mossul-Offensive konnte das Dorf schließlich von Peshmerga und irakischen Streitkräften befreit werden. Die Häuser aber liegen in Schutt und Asche. Täglich suchen religiöse Würdenträger und Freiwillige die ehemaligen Stätten auf, befreien sie von Schutt und helfen bei den Bauarbeiten mit.

Der Wiederaufbau der Tempel ist zur Herzensangelegenheit geworden. Es ist ein Zeichen, dass man die Gräueltaten des IS nicht einfach hinnimmt. Und so verwundert es nicht, dass die neuen Pilgerstätten größer gebaut werden, als sie zum Zeitpunkt ihrer Zerstörung waren. Der Tempel von „Shekhse Bate“ in Babire etwa wird um ein vielfaches größer als zuvor, mit insgesamt sieben Kuppeln, die Zahl der Heiligen Siebenschaft der êzîdîschen Religion.

© ÊzîdîPress, 07. Februar 2017

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