Published On: Di, Mai 30th, 2017

Shingal: 11 Massengräber im Süden entdeckt

Massengrab êzîdîscher Opfer der Terrormiliz IS nahe Sinune im Norden Shingals (AFP)


Kocho. Irakische und êzîdîsche Truppen haben in der nordirakischen Region Shingal elf weitere Massengräber von Opfern der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) entdeckt. In den êzîdîschen Ortschaften Kocho, Siba und Til Izer im Süden der Region stießen die Kämpfer auf insgesamt elf aufgeschüttete Hügel, die sich schließlich als Massengräber herausstellten. In dem Dorf Kocho wurden bisher fünf Massengräber entdeckt, wie der êzîdîsche al-Hashd al-Shaabi Kommandeur Naif Jaso gegenüber ÊzîdîPress telefonisch bestätigte.

Wie viele Opfer in den Massengräbern liegen ist zurzeit nicht bekannt. Untersuchungen stehen noch aus.  Êzîdîsche Verantwortliche sprechen allein in Kocho von etwa 400 Opfern. Die Entdeckung neuer Massengräber in den genannten Ortschaften kommt nicht unerwartet. Die IS-Terrormiliz stürmte die Shingal-Region am 3. August 2014 und begann den Völkermord an den Êzîden vom Süden der Region aus. Alleine in Kocho wurden bis zu 600 Êzîden getötet und über 1.000 Frauen und Kinder verschleppt. Im Norden und im Osten der Shingal-Region konnten bereits weit über 35 Massengräber aufgedeckt werden. Bereits im Vorfeld der irakischen Offensive im Süden Shingals forderten êzîdîsche Aktivisten, dass entdeckte Massengräber abgesichert und von Experten dokumentiert werden müssten.

Etwa 10.000 Êzîden aus Shingal fielen dem Völkermord direkt zum Opfer, wie eine erste Studie der renommierten Londoner LSE Universität zeigt. Rund 2,2% der êzîdîschen Bevölkerung wurden der Studie nach getötet oder verschleppt. Dr. Valeria Cetorelli, die die Untersuchung führte, sagte, die durchgeführte Untersuchungen deckten sich mit den Angaben der UN, die die Verbrechen des IS an den Êzîden als Völkermord einstuft. Über 400.000 Êzîden mussten aus ihrer traditionellen Heimatregion fliehen. Viele Êzîden verdursteten im Shingal-Gebirge, wo sie von den IS-Terroristen belagert wurden und tagelang ohne Versorgung ausharren mussten.

© ÊzîdîPress, 30. Mai 2017

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